Eltern können ihren AD(H)S-Kindern nur helfen, wenn sie ihre Probleme in
seiner Tragweite verstehen und akzeptieren, sowie einen gewissen Abstand dazu
aufgebaut haben. Druck, Frustration und schlechtes Gewissen gefährden eine
erfolgreiche Zusammenarbeit.
Nicht alle Eltern sind als (Co-)Therapeuten
geeignet, das müssen sie auch nicht. In diesem Fall ist es wirklich besser, die
Konzentrationsstörung an Außenstehende abzugeben und dem Kind innerhalb der Familie
den Rücken zu stärken, indem es einfach angenommen und geliebt wird, so wie es
ist.
Wie können Eltern helfen?
- Zunächst einmal ist es wichtig,
dass man dem Kind AD(H)S-Konzentrationsstörung erklärt und ihm somit das Gefühl des Versagens
nimmt. Dann muss es verstehen, dass es lernen kann, seine eigene Lernsituation
durch bestimmte Methoden zu verbessern. Die Überforderungs-Versagens-Spirale
darf zu Hause nicht fortgesetzt werden.
- Stellen Sie keine kurzfristigen
Erfolge in Aussicht, sondern bereiten Sie Ihr Kind darauf vor, dass seine
Bemühungen langfristig angelegt sein müssen.
- Lernen Sie spielerisch mit
Ihrem Kind. Machen Sie zusemmen mit Ihrem Kind autogenes Training, Atemübungen und Entspannungsübungen. (Treffpunkt LRS empfiehlt Ihnen hier das PC-Programm WinKonz und sein E-Book)
- Loben Sie Erfolge, fokussieren Sie nicht die
Misserfolge. Wecken Sie die Lernmotivation Ihres Kindes und erkennen Sie Fleiß
und Mühe an, auch wenn sie nicht zum Erfolg führen!
- Ihr Kind braucht
Selbstvertrauen! Finden Sie gemeinsam seine Stärken heraus und geeignete
Lernstrategien, die zu ihm passen. Helfen Sie Ihrem Kind, strukturiert zu
arbeiten und zu lernen!
Allgemeine
Lerntipps:
- Lernen Sie mit Ihrem Kind in überschaubaren Stoff- und
Zeiteinheiten und helfen Sie ihm, sich selbst besser beim Lernen zu
organisieren. Überforderung frustriert und schadet langfristig der
Lernmotivation.
- Verwenden Sie Farben – zum Hervorheben, Strukturieren
und Kennzeichnen (z.B. Textmarker, Buntstifte)
- Lassen Sie Ihr Kind
üben, sauber zu schreiben, lassen Sie große Zahlen durch Tausender-Punkte
gliedern.
- Ermutigen Sie ihr Kind zu einer sauberen Handschrift.
- Überprüfen Sie, ob das Kind die jeweilige Aufgabenstellung
verstanden hat!
- Nutzen Sie beim Lernen alle Sinneskanäle: Sehen, Hören,
Sprechen, Schreiben.
Tipps
für die Schulsituation:
- Machen Sie sich stark für Ihr Kind, halten Sie
den Dialog mit der Schule, sorgen Sie dafür, dass Ihrem Kind Verständnis
entgegengebracht wird und fordern Sie Hilfen ein, die Ihrem Kind die
Lernsituation erleichtern! Es gibt hierzu eine Reihe von einfach durchsetzbaren
Maßnahmen:
- Das Kind sollte möglichst vorne sitzen, am besten frontal
zur Tafel, damit es so wenig wie möglich abgelenkt wird, genau wahrnehmen kann
und seine Situation besser von der Lehrkraft beobachtet werden kann.
- Es
sollte nur bei freiwilliger Meldung dran genommen werden, da sie sich
leicht vorgeführt vorkommen.
- Für die Hausaufgaben können Sonderregelungen
vereinbart werden: nur nützliche, erfüllbare Aufgaben helfen weiter. Sinnvoll
ist ein Zeitlimit, unabhängig davon, ob die Hausaufgaben fertig
sind.
- Der individuelle Lernfortschritt sollte gelobt werden, auch wenn
es sich dabei um objektiv kleine Erfolge handelt.
- Klassenarbeiten
sollten mit Maschinen geschriebenen, übersichtlichen Arbeitsblättern
durchgeführt werden, die Platz für Nebenrechnungen und mögliche Zeichnungen
vorsehen. Die Korrekturen sollten dezent sein (kein ‚rotes Blatt’), die
Bemerkungen anerkennend und ermutigend sein.
- Ein Nachteilsausgleich kann auch
sein, dem Kind mehr Zeit für einen Test zu geben (z.B. die Pause noch
dazu).
- Holen Sie sich Informationen, wie in Ihrem Bundesland ein Nachteilsausgleich gehandt habt wird. (Legasthenie-Erlasse)
Gute Schulnoten sind nicht so wichtig wie das seelische
Gleichgewicht eines Kindes. Dazu gehört, dass das Kind die für sein
Intelligenzniveau passende Schulart besuchen kann. Derzeit bestehen nur in
wenigen Bundesländern schulrechtliche Möglichkeiten um auf Kinder mit
LRS; LEgasthenie, Dyskalkulie und AD(H)S angemessen reagieren zu können. Der BVL und seine
Landesverbände kämpfen um eine bundesweite Anerkennung und entsprechende
Vorschriften, die Betroffenen eine adäquate Schullaufbahn
ermöglichen.
Wichtig für das Kind ist jedoch an erster Stelle die
Unterstützung durch ein liebe- und verständnisvolles Elternhaus, damit es sich
wie alle anderen Kinder in seiner Persönlichkeit gut entwickeln kann.
Für Eltern ist es daher wichtig, sich darauf zu konzentrieren, die
Stärken ihres Kindes zu fördern und ihm Hilfestellung zu geben, mit seiner
"Schwäche" selbstbewusst umzugehen.
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